Tabulatur statt Partitur

Freitag 29. Mai 2026, 15:30 Uhr ♦ Marktkirche 84405 Dorfen ♦ Orgelsymposium Dorfen 2016 ♦ Tabulatur statt Partitur – Aufführungsmöglichkeiten von intabulierter Vokal- und Instrumentalmusik aus l’Intavolatura d’organo tedescha della Biblioteca Nazionale di Torino ♦ Vortrag mit Musikbeispielen ♦ mehr Informationen unter: https://www.caecilienverein-dorfen.de/programm

Neben der Notation von mehrstimmiger Musik in Stimmbüchern und Partituren kennen wir bereits seit dem 14. Jahrhundert eine Vielzahl verschiedener Tabulaturen: Orgeltabulaturen, Lautentabulaturen, Tabulaturen für Harfe, für Violine, Viola da Gamba und sogar für Flöten zeigen Möglichkeiten, Musik mit Tonbuchstaben oder Ziffern, anstatt mit Noten zu verschriftlichen. Waren die Orgeltabulaturen tatsächlich nur für Orgeln bzw. Tasteninstrumente allein gedacht, oder konnte man die in ihnen überlieferte Musik auch in Verbindung mit Singstimmen und Melodieinstrumenten aufführen? Immerhin stellen Madrigale und Motetten einen großen Anteil des Repertoires von Tabulaturen dar. Im Titel einiger Quellen sind Hinweise wie per sonare ogni sorte de stromenti oder Auff Orgeln und allen andern Musicalischen Instrumenten zu finden. Andere wiederum zeigen textierte Stimmen und lassen so die Mitwirkung von Sängern vermuten. Wie sind die Hinweise zu interpretieren und wie sieht das in der Praxis bei der umfangreichen und vielgestaltigen Turiner Tabulatur aus? In ihr fehlen Andeutungen jeglicher Art. Dennoch wäre es sinnvoll über ein Heranziehen von Singstimmen und Melodieinstrumenten nachzudenken, zumal zahlreiche Übertragungen durch ihre Struktur ehr Generalbassaussetzungen ähneln, denn solistisch gedachten Intavolierungen.

© Michael Eberth

 

Arcanum

Sonntag. 17. Mai 2026, 18 Uhr ♦ Lübeck St. Jürgen-Kapelle, Ratzeburger Allee 23 · 23562 LübeckArcanum ♦ Werke für Violoncello und Orgel von Georg Friedrich Kauffmann, Carl Philipp Emanuel Bach, Dorothea Hofmann, Wolfram Oettl und Graf von Saint Germain ♦ Edgar Borsich, Violoncello, Michael Eberth, Orgel

Graf Saint Germain (1696 – 1784) eine schillernde Persönlichkeit voller Geheimnisse, Alchimist, Diplomat, Geiger und Komponist. Dorothea Hofmann (1961) nimmt Bezug zum Alchimisten, „Arcanum“ und zu alten Buchmalereien, „Drolerien“, (Cello solo). Wolfram Oettl (1962) bewegt sich mit „Präludium und Fuge“ zwischen Barock und Rock.

Programm

Georg Friedrich Kauffmann (1679 – 1735)
Fantasie in G-Dur für Orgel

Graf Saint Germain (1696 -1784)
Sonata I F-Dur für Violoncello und B.c.
Adagio-Allegro-Andante-Allegro

Dorothea Hofmann (1961)
„Arcanum“ – Sonate für Violoncello und Orgel (2019)
Materia Prima – Transmutation – Tanz der Elemente

Carl Philipp Emanuel Bach (1714 – 1788)
Sonate in a-Moll Wq. 70/4, H 85
Allegro assai – Adagio – Allegro

Dorothea Hofmann
„Drolerien“
Capriccio für Violoncello solo

Wolfram Oettl (1962)
„Präludium und Fuge“ für Violoncello und Orgel (2019)

Orgelmatinee Arcanum

Samstag, 2. Mai 2026, 11:15 Uhr ♦ Pfarrkirche St. Martin, Marienplatz 5, 88299 Leutkirch ♦ Matinee mit Werken für Orgel und für Violoncello und Orgel von Georg Friedrich Kauffmann, Graf Saint Germain, Francisco Correa de Arauxo, Dorothea Hofmann, Olivier Messiaen und Wolfram Oettl. Edgar Borsich, Voloncello; Michael Eberth, Orgel

Graf Saint Germain (1696 – 1784) eine schillernde Persönlichkeit voller Geheimnisse, Alchimist, Diplomat, Geiger und Komponist. Dorothea Hofmann (1961) nimmt mit „Arcanum“ Bezug zum Alchimisten, Wolfram Oettl (1962) bewegt sich mit „Präludium und Fuge“ zwischen Barock und Rock. Die beiden Orgelstücke von Olivier Messiaen (1908-1992) und Francisco Correa de Arauxo (ca.1583 – 1654) loten durch Kombination von Vogelstimmen und indischen Rhythmen einerseits und extremer Kontrastierung von langsamem Metrum und schnellem Figurenwerk andererseits Grenzbereiche der Tempowahrnehmung aus.

Programm

Georg Friedrich Kauffmann (1679 – 1735)
Fantasie in G-Dur für Orgel

Graf Saint Germain (1696 – 1784)
Sonata I F-Dur für Cello und B.c.
Adagio-Allegro-Andante-Allegro

Francisco Correa de Arauxo (ca.1583 – 1654)
Tiento de medio registro de tiple de segundo tono (Nr. 58)
(aus Libro de tientos y discursos de musica practica, y theoretica de organo,
intitulado Facultad Organica
, Alcalà 1626)

Dorothea Hofmann (1961)
„Arcanum“ – Sonate für Violoncello und Orgel (2019)
Materia Prima – Transmutation – Tanz der Elemente

Olivier Messiaen (1908-1992)
Chant d’Oiseaux (aus Livre d’orgue 1951)
Après-midi des oiseaux: merle noir, rouge-gorge, grive musicienne et rossignol quand vient la nuit (pour le temps pascal)
Nachmittag der  Vögel: Amsel, Rotkehlchen, Singdrossel und Nachtigall bei Einbruch der Dunkelheit (zur Osterzeit)

Wolfram Oettl (1962)
„Präludium und Fuge“ für Violoncello und Orgel (2019)

 Edgar Borsich, Violoncello
Michael Eberth, Orgel

Combattimento

Sonntag, 26. April 2026, 14 Uhr (!) ♦ Mars-Venus-Saal, Bayerisches Nationalmuseum, Prinzregentenstraße 3, 80538 München ♦ Combattimento  Ensemble Phoenix-Munich ♦ Emma-Lisa Roux – Sopran, Theorbe; Coline Dutilleul – Mezzosopran; Giovanni Cantarini – Tenor; Manuel Warwitz – Tenor; Penelope Spencer – Violine; Nagi Tsutsui – Violine; Michael Eberth – Cembalo; Joel Frederiksen – Bass, Archiliuto, Leitung (Konzerteinführung durch Dr. Bernhold Schmid
um 13 Uhr ! )

Claudio Monteverdis Musik oszilliert zwischen Himmel und Hölle, zwischen Kampf und Sehnsucht. Dieses Konzert präsentiert beeindruckende Madrigale aus seinem achten Buch (Madrigali guerrieri et amorosi, 1638), darunter das dramatische Il combattimento di Tancredi e Clorinda, eine musikalische Kampfszene voller Emotionen und Intensität. Auf dem Programm stehen außerdem das bewegende Lamento d’Arianna, Monteverdis einzige erhaltene Arie aus der verlorenen Oper L’Arianna, sowie das virtuose Ogni amante è guerrier nach Ovids Metamorphosen. Il ballo delle ingrate beschließt den Abend mit düsterer Pracht: eine warnende Vision aus der Unterwelt über die Macht der verschmähten Liebe – beeindruckend, musikalisch, emotional.

Programm

Claudio Monteverdi (1567 – 1643)
O rosetta, che rosetta SV 237
(aus Scherzi musicali, Venezia 1607)

Ogni amante è guerrier SV 151
Io che nell’otio nacqui e d’otio vissi

Ma per quell’ampio Egeo spieghi le vele
Riedi, ch’al nostro ardor, al nostro canto
(aus Madrigali guerrieri, et amorosi, libro ottavo, Venezia 1638)

Biagio Marini (1594 – 1663)
Sonata Sopra fuggi dolente
(aus Per ogni sorte di strumento musicale, Venezia 1655)

Claudio Monteverdi
Lamento d’Arianna SV 22
(aus L‘Arianna
, Venezia 1608/1623)

Combattimento di Tancredi e Clorinda SV 153
(aus Madrigali guerrieri, et amorosi, libro ottavo, Venezia 1638)

Pause

Claudio Monteverdi
Ballo delle Ingrate – in genere rappresentativo SV 167
Libretto: Ottavio Rinuccini (1562−1621)
(aus Madrigali guerrieri, et amorosi, libro ottavo, Venezia 1638)

Damigella tutta bella SV 235
(aus Scherzi musicali, Venezia 1607)

 Interpreten:
Emma-Lisa Roux – Sopran, Theorbe; Coline Dutilleul – Mezzosopran; Giovanni Cantarini – Tenor; Manuel Warwitz – Tenor; Penelope Spencer – Violine; Nagi Tsutsui – Violine; Bryony Lang – Bratsche, Sopran; Michael Eberth – Cembalo; Joel Frederiksen – Bass, Erzlaute, Leitung

‚versum vokale:
Malin Eiband, Ann-Christin Gritto, Isabel Renz, Friedrich Esch, Florian Eggers, Robert Schmidt

Markuspassion

Karfreitag, 3. April 2026, 15 Uhr ♦ Kirche St. Anna, Fuggerstraße 8, 86150 AugsburgJohann Sebastian Bach, Markuspassion BWV 247 (in der Rekonstruktion von Alexander Grychtolik)Capella St. Anna, Orgelcontinuo Michael Eberth, Leitung Johannes Eppelein

Das Libretto von Bachs Markuspassion wurde von Christian Friedrich Henrici, genannt Picander, geschrieben und ist vollständig  erhalten, die Musik gilt als verschollen. Die Uraufführung fand am Karfreitag, dem 23. März 1731 statt, wurde aber möglicherweise noch öfters, mindestens jedoch einmal am Karfreitag, dem 27. März 1744 aufgeführt. Bei diesem Werk wandte Bach das Parodieverfahren an, d.h. er arbeitete schon vorhandene Sätze um und unterlegte sie mit dem Picanderschen Text sowie mit den Worten des Markusevangeliums. Dieser Praxis des, salopp gesprochen, „Recyclings“ verdanken wir beispielsweise einen großen Teil des Weihnachtsoratorums. Für die Markuspassion griff Bach nachweislich auf vorhandene Sätze aus der Matthäuspassion, der Kantate Widerstehe doch der Sünde, BWV 54 und der Trauerode BWV 198 zurück. Zudem wurden von Alexander Grychtolik Teile aus anderen Kantaten Bachs verwendet und, damit der an vielen Stellen zwar ähnliche aber nicht übereinstimmende „Markus-Text“ passt, leicht verändert. Meiner Meinung nach ein sehr gelungenes Experiment!