Sonntag, 18. März 2018, 18 Uhr ♦ München, Herz-Jesu-Kirche ♦ Nicolas de Grigny (1672 – 1703) drei Kyrieverse aus dem Premier Livre d‘ Orgue: Kyrie en Taille à5 – Cromorne en Taille à 2 Parties – Dialogue ♦ Joseph Hector Fiocco (1703 – 1741) drei Lamentationes Hebdomadae Sanktae quae fiunt feria Quinta (Antwerpen 1732) ♦ Jean Adam Guilain (um 1680 – nach 1739), Suite du second ton (Paris 1706): Prèlude – Tierce en taille – Duo – Basse de Trompete – Trio de Flûtes – Dialogue ♦ Susanne Simenec, Sopran; Michail Uryvaev, Anna Zimre, Matthias Schick, Barockcello; Christoph Eglhuber, Laute; Michael Eberth, Orgel
In den Klageliedern, einem Buch des alten Testaments beweint der Prophet Jeremia die Zerstörung der Stadt Jerusalem und des Tempels (586 v. Chr.) durch die Soldaten des Nebukadnezar, des Königs von Babel. Die Klagelieder bestehen aus 5 Büchern: 4 Lamentationen und einem Oratio-Gebet. Die ersten drei gehören seit dem frühen Mittelalter zur Liturgie der Karwoche, in der die Zerstörung Jerusalems als Sinnbild für das Leiden Christi beklagt wird. Die Klagen Jeremias haben mit ihrer direkten und hochemotionalen Sprache viele Komponisten der Renaissance und des Barock zu Vertonungen inspiriert. Die Texte der Klagelieder wurden im Versmaß der hebräischen Totenklage Qinot (קינינות) verfasst, die ersten vier als Akrostichon, einer Form, bei der die ersten Buchstaben der Strophen dem Verlauf des Alphabets entsprechen. Dieses Akrostichon ist ein Ausdruck der grenzenlosen allumfassenden Trauer, vergleichbar mit dem deutschen „von A bis Z“. Außerdem hatte diese Alphabetisierung der Versanfänge möglicherweise die Funktion der Gedächtnishilfe. Bei der Übertragung ins Lateinische sind die originalen Versformen verloren gegangen, die Lettern (Aleph, Beth, Gymel, etc…) aber erhalten geblieben. Diese wurden von den Komponisten immer mitvertont, und oft in mellismatischer Form, als eine Art ausgeschriebene Verzierung.
Die Rezitation der Lesungen wird mit den lateinischen Incipites: „De Lamentatione Jeremiae Prophetae“ = „Von der Wehklage des Propheten Jeremia“ oder „Incipit Oratio Jeremiae Prophetae“ =„Es beginnt die Rede des Propheten Jeremia“ eingeleitet und endet jeweils mit: „Jerusalem, Jerusalem, convertere ad Dominum Deum tuum“ = „Jerusalem, Jerusalem, wende dich zu deinem Herrn und Gott“. Die Vertonungen der Lamenationen (Leçons de ténèbres oder Lezioni) waren im 17. und 18. Jahrhundert außerordentlich beliebt und wurden oft auch außerhalb der Passionszeit und des kirchlichen Rahmens konzertant aufgeführt. Die Lamentationen, die heute zu hören sind, enstanden in Antwerpen 1732, wo J. H. Fiocco als Violinist und Chorleiter an der Kathedrale Unserer Lieben Frau 1732- 1737 wirkte.
Eine Besonderheit ist die Besetzung: zu der für monodische Lamentationen üblichen Continuobegleitung fügt der Komponist zwei konzertierende Celli hinzu. Wobei die erste Lamenation für Sopran, 2 Celli und Basso continuo komponiert ist, die zweite für Sopran, ein Cello und B.c., und die dritte wird lediglich vom Continuo begleitet. Diese Reduzierung der Besetzung ergibt den vom Komponisten gewollten Effekt und ist ein Hinweis dafür, dass eine Aufführung der drei Stücke nacheinander en bloc vom Komponisten erwünscht ist.
Die in der von uns verwendeten Ausgabe der Fiocco – Lamentationen und in unserem Programmheft abgedruckte deutsche Übersetzung entstammt der Augsburger Bibelausgabe von 1746. Die lateinisch – deutsche Ausgabe wurde vom Wessobrunner Benediktiner Thomas Aquinus Erhard (1675 – 1743) editiert und mehrfach herausgegeben. Die Übersetzung der Klagelieder fasziniert durch ihre direkte und unverblümte Sprache, die mit ihrer starken Ausdruckskraft ein Beispiel hochstehender barocker Dichtung darstellt.
(Text: Michail Uryvaev; Quellen: J. H. Fiocco Lamentationen, herausgegeben von Prof. Dr. Rudolf Ewerhart in Edmund Bieler Verlag Köln, 1962;
„De lamentatione Jeremiae Prophetae Aspekte zur Entwicklung und Verbreitung der Lamentation im 18. Jahrhundert“ von Dr. Heike Blumenberg, UdK Berlin 2008;
Wikipedia (u.a.)
Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2022 von Michael Eberth Schreib einen Kommentar
Leçons de Ténèbres
In den Klageliedern, einem Buch des alten Testaments beweint der Prophet Jeremia die Zerstörung der Stadt Jerusalem und des Tempels (586 v. Chr.) durch die Soldaten des Nebukadnezar, des Königs von Babel. Die Klagelieder bestehen aus 5 Büchern: 4 Lamentationen und einem Oratio-Gebet. Die ersten drei gehören seit dem frühen Mittelalter zur Liturgie der Karwoche, in der die Zerstörung Jerusalems als Sinnbild für das Leiden Christi beklagt wird. Die Klagen Jeremias haben mit ihrer direkten und hochemotionalen Sprache viele Komponisten der Renaissance und des Barock zu Vertonungen inspiriert. Die Texte der Klagelieder wurden im Versmaß der hebräischen Totenklage Qinot (קינינות) verfasst, die ersten vier als Akrostichon, einer Form, bei der die ersten Buchstaben der Strophen dem Verlauf des Alphabets entsprechen. Dieses Akrostichon ist ein Ausdruck der grenzenlosen allumfassenden Trauer, vergleichbar mit dem deutschen „von A bis Z“. Außerdem hatte diese Alphabetisierung der Versanfänge möglicherweise die Funktion der Gedächtnishilfe. Bei der Übertragung ins Lateinische sind die originalen Versformen verloren gegangen, die Lettern (Aleph, Beth, Gymel, etc…) aber erhalten geblieben. Diese wurden von den Komponisten immer mitvertont, und oft in mellismatischer Form, als eine Art ausgeschriebene Verzierung.
Die Rezitation der Lesungen wird mit den lateinischen Incipites: „De Lamentatione Jeremiae Prophetae“ = „Von der Wehklage des Propheten Jeremia“ oder „Incipit Oratio Jeremiae Prophetae“ =„Es beginnt die Rede des Propheten Jeremia“ eingeleitet und endet jeweils mit: „Jerusalem, Jerusalem, convertere ad Dominum Deum tuum“ = „Jerusalem, Jerusalem, wende dich zu deinem Herrn und Gott“. Die Vertonungen der Lamenationen (Leçons de ténèbres oder Lezioni) waren im 17. und 18. Jahrhundert außerordentlich beliebt und wurden oft auch außerhalb der Passionszeit und des kirchlichen Rahmens konzertant aufgeführt. Die Lamentationen, die heute zu hören sind, enstanden in Antwerpen 1732, wo J. H. Fiocco als Violinist und Chorleiter an der Kathedrale Unserer Lieben Frau 1732- 1737 wirkte.
Eine Besonderheit ist die Besetzung: zu der für monodische Lamentationen üblichen Continuobegleitung fügt der Komponist zwei konzertierende Celli hinzu. Wobei die erste Lamenation für Sopran, 2 Celli und Basso continuo komponiert ist, die zweite für Sopran, ein Cello und B.c., und die dritte wird lediglich vom Continuo begleitet. Diese Reduzierung der Besetzung ergibt den vom Komponisten gewollten Effekt und ist ein Hinweis dafür, dass eine Aufführung der drei Stücke nacheinander en bloc vom Komponisten erwünscht ist.
Die in der von uns verwendeten Ausgabe der Fiocco – Lamentationen und in unserem Programmheft abgedruckte deutsche Übersetzung entstammt der Augsburger Bibelausgabe von 1746. Die lateinisch – deutsche Ausgabe wurde vom Wessobrunner Benediktiner Thomas Aquinus Erhard (1675 – 1743) editiert und mehrfach herausgegeben. Die Übersetzung der Klagelieder fasziniert durch ihre direkte und unverblümte Sprache, die mit ihrer starken Ausdruckskraft ein Beispiel hochstehender barocker Dichtung darstellt.
(Text: Michail Uryvaev; Quellen: J. H. Fiocco Lamentationen, herausgegeben von Prof. Dr. Rudolf Ewerhart in Edmund Bieler Verlag Köln, 1962;
„De lamentatione Jeremiae Prophetae Aspekte zur Entwicklung und Verbreitung der Lamentation im 18. Jahrhundert“ von Dr. Heike Blumenberg, UdK Berlin 2008;
Wikipedia (u.a.)
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Passio
die wunderbaren Werke des in Böhmen geborenen kurfürstlich-königlichen Musicus und Kirchencompositeurs Jan Dismas Zelenka sind trotz aller Bemühungen immer noch viel zu selten zu hören. Zu den eindrucksvollsten Werken des bis zu seinem Tod in Dresden lebenden Bachzeitgenossen gehören seine sechs Lamentationes Jeremiae für Singstimme und Instrumentalensemble. Zwei dieser berührenden Kompositionen für den Mittwoch und Donnerstag der Karwoche präsentiert das Ensemble Palestra Musica Augsburg zusammen mit dem Bassisten Michael Kranebitter. Eingerahmt werden sie von fünf Kyrie-Versen für Orgel von François Couperin (zum 350sten Geburtsjahr), zwei Choralvorspielen über den Gründonnerstags-Choral Jesus Christus unser Heiland und der letzten Arie aus der Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach.
Michael Kranebitter, Bass
Ensemble Palestra Musica Augsburg
Angelika Radowitz, Michael Schleißheimer, Barockoboen / Oboen da Caccia; Hildegard Senninger, Julia Unterhofer, Barockviolinen; Christina Sontheim, Barockviola; Ángela Lobato Castillo, Barockcello; Günter Holzhausen, Violone; Michael Eberth, Orgel und Leitung
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Was sind wir Menschen doch?
Dass schwierige Zeiten durch hohe Kreativität und fruchtbare Schaffenskraft kompensiert werden können, ist hinreichend bekannt. Die Dezimierung der Bevölkerung während des dreißigjährigen Krieges führte zur Entstehung kleiner und kleinster Kompositionsformen (geistliche Konzerte), Johann Jakob Froberger kondensierte angesichts von Unbill und Leid seinen Blick aufs Jenseits in einem Memento Mori Froberger für Cembalo und Alessandro Poglietti verlor gar sein Leben in den Kämpfen um die Belagerung Wiens, nachdem er den ungarischen Aufstand von 1663-1671 musikalisch portraitierte. Zeitgleich konnten Künstler, die das Glück hatten, in Ländern und an Höfen zum Teil weit abseits der Kampfhandlungen angestellt zu sein, in Frieden und Freiheit leben.
Das Ensemble Palestra Musica Augsburg spürt mit süddeutsch-italienischer Musik den Wegen und Irrwegen der Regierenden vergangener Jahrhunderte auf musikalische Weise nach.
Programm:
Johann Heinrich Schmelzer (um 1620-1680)
Sonata á 2 J.H.S. für Violine, Dulcian Violone und Cembalo
Johann Jakob Froberger (1616-1667)
Lamento sopra la dolorosa perdita della Real Mstà di FERDINANDO IV, Rè de Romani +c. für Cembalo
Pater Adalbert Grunde (1. Hälfte 17. Jahrhundert)
Sonata à 2 für Violine, Viola da Gamba und Basso continuo
Girolamo Frescobaldi (1583-1643)
Canzona prima a due Bassi für Viola da Gambe, Dulcian und Basso continuo
Alessandro Poglietti (+ 1683)
La Ribellione die Ungheria – Toccata et Allemanda für Cembalo
Schmelzer, Andreas Anton (1594-1663)
Die Türkenschlacht bei Wien (1683) für Violine und Basso continuo
Franz Matthias Techelmann (1649-1714)
Alamand. dell’Allegrezze alla Liberazione di Vienna – Sarabande – Variatio 1.a. – 4.a. für Cembalo
Adam Jarzębski (1590-1649)
La Norimberga (Concerto a 3) für Violine, Viola da gamba, Dulcian und Basso continuo
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Barockoper – Dernière
♦ zum online-Kartenvorverkauf für 28.1.2018 ♦
Sonntag, 28. Januar 2018, !16 Uhr! ♦ Stadttheater Kaufbeuren, Rosental 6 – 8, 87600 Kaufbeuren ♦ Diana Amante ♦ Oper in drei Akten ♦ Musik: Giuseppe Antonio Bernabei (ca. 1649 – 1732) ♦ Ballettmusik: Melchior d’Ardespin (1643 – 1717) ♦ Libretto: Luigi Orlandi ♦ UA am 26. Februar 1688 im Georgisaal der Münchner Residenz unter Mitwirkung der Kurfürstin Maria Antonia ♦ Pan et Sirinx ♦ szenische Kantate von Michel Pignolet de Monteclair (1667 – 1737) ♦ Orfeo y Euridice ♦ komisches Ballett von Kaiser Leopold I. (1640 – 1705) ♦ Anna-Lena Elbert (Diana), Lilli Jordan (Endimione), Stefan Steinemann (Orione), Alicia Grünwald (Leucilla) ♦ Ensemble Palestra Musica Augsburg; Leitung: Michael Eberth ♦ Ensemble La Danza München ♦ Choreographie und szenische Einrichtung der Ballette: Jadwiga Nowaczek ♦ Text und Poesie: Peter Pius Irl ♦ Regie und Gestik: Sharon Weller/Marilyn Schmiege ♦ Kostüme /Kostümbetreuung: Brigitte Günczler ♦ Requisiten: Alex Ogrodnik
♦ weitere Details zum Programm ♦
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Barockoper
Der Componimento drammatico in 3 Atti mit dem Titel Diana amante des 1649 in Rom geborenen Giuseppe Antonio Bernabei (gest. 1732 in München) wurde am 26. Februar 1688 im Georgi-Saal der Münchner Residenz uraufgeführt. Das Libretto (Poesia) wurde von Luigi (Ludovico) Orlandi, Consigliese e Segretario della S.A.E. di Baviera verfasst, die dazugehörige Ballet-Musik … ist von Melch. D’Ardespin componirt. Diese vorgesehene Tanzmusik von Melchior D’Ardespin, 1643 geboren, 1669 als Cornettist am kurfürstlichen Hof in München angestellt, 1683 zum churfürstlichen Kammerdiener, 1687 zum Leiter der Hofkapelle und zum churfürstlichen Rat erhoben, ist leider nicht erhalten und wird bei der Aufführung durch eine andere Tanzsuite D’Ardespins ersetzt. Giuseppe Antonio Bernabei, zunächst vermutlich als Organist an San Luigi dei Francesi in Rom tätig, folgte seinem Vater Ercole Bernabei nach München und wurde dort Geistlicher Rat, 1677 Vizekapellmeister, nach Ercoles Tod 1687 Kapellmeister. Einer seiner Schüler war Meinrad Spiess OSB aus Kloster Irsee, der als siebtes Mitglied der Mizlerschen Socität in Leipzig auch mit Johann Sebastian Bach Briefkontakt hielt.
Jacob Paix Ballo
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