Orgelkonzert in Kloster Irsee

 

Samstag, 15. Oktober 2016, 20 Uhr ♦ Kirche St. Peter und Paul, Kloster Irsee ♦ Konzert auf der historischen Orgel von Balthasar Freiwiß, 1754 ♦ Werke von Georg Friedrich Kauffmann, Wilhelm Hieronymus Pachelbel, Johann Ernst Eberlin,  Jan Křtitel Kuchař, Michel Corrette und Justin Heinrich Knecht ♦ Michael Eberth, Orgel

Die Orgel der Benediktiner Abtei Irsee im bayerischen Schwaben wurde von Balthasar Freiwiß aus Aitrang gebaut und 1754 eingeweiht. Wie durch ein Wunder überstand das Instrument die Säkularisation und fasziniert nach einer im Jahre 1990 abgeschlos-senen Restaurierung wieder durch seine wunderbare Klangpracht. Auf der Orgel läßt sich vor allem das zum Teil frühklassisch gefärbte Repertoire der ersten Jahrhunderthälfte nach 1700 darstellen.

Programm

Georg Friedrich Kauffmann (1679-1735): Fantasia in G, drei Choralbearbeitungen (aus Harmonische Seelenlust, Leipzig 1733),   O Herre Gott, dein göttlich Wort à 3 Con affetto,
O Herre Gott, dein göttlich Wort Presto à 2 Clav., O Herre Gott, dein göttlich Wort Alio modo
Johann Ernst Eberlin (1701-1762): Toccata quinta et Fuga (aus IX toccate e fughe, Augsburg 1747)
Michel Corrette (1707-1795): aus Suite du 2e ton (aus Pièces pour l’orgue dans un genre nouveau, Paris 1787),  Plein jeu – Duo en Rondeau –  Trio pour les Flûtes – Grand jeu avec le tonnerre.
Wilhelm Hieronymus Pachelbel (1686-1764): Toccata; Fantasia super: Meine Seele laß es gehen
Jan Křtitel Kuchař (1751-1829): Fantasie in d-Moll,  Pastorella in D-Dur
Justin Heinrich Knecht (1752-1817): Cantabile in C-Dur, Cantabile in c-Moll, Freie Fantasie mit untermischten enharmonischen Stellen (aus Neue vollständige Sammlung aller Arten von Vor- und Nachspielen …, Mainz 1811/17)

JOHANN JAKOB FROBERGER zum 400. Geburtsjahr

 

Sonntag, 18. September, 11:11 Uhr ♦ Olching, KOM, eleven-eleven MusikKultur e.V.

Der Streit zwischen David und Goliath und die Überfahrt des Grafen von Thun über den Rhein ♦ Musik von Johann Jakob Froberger (1616 – 1667) und Johann Kuhnau (1660 – 1722)

… wer die Sachen nit von ihme Herrn Froberger seliger gelernet, unmüglich mit rechter Discretion zuschlagen, wie er sie geschlagen hat …

mit diesen Worten bringt es Herzogin Sibylla von Württemberg (1620-1707) auf den Punkt: Die Claviermusik unseres diesjährigen Jubilars Johann Jakob Froberger (1616-1667) konnte nur gut spielen, wer sie von seiner Handt gelernt, Grif vor Grif.
Um den gebürtigen Stuttgarter, von dem wir kein Portrait kennen, ranken sich viele wahre und erfundene Geschichten: in Rom Schüler von Girolamo Frescobaldi, das ist sicher. War er Bruder im Geiste des in Rom lebenden Universalgelehrten Athanasius Kircher? Wie nah bekannt war er mit Louis Couperin in Paris? Was passierte auf der Überfahrt nach London? Raubten die Piraten Froberger aus? Wo in England mußte er sich als Blasbalgtreter Geld verdienen? In jedem Fall war er Cembalist am Habsburger Kaiserhof Ferdinands III. und vermutlich dessen Privatsekretär. Anders läßt es sich nicht erklären, warum Ferdinands Nachfolger Leopold I. den Vertrag nicht verlängerte. Froberger zog als Privatlehrer der Herzogin Sibylla von Württemberg nach Schloss Héricourt in der württembergischen Grafschaft Montbéliard (Mömpelgard). Dort starb er 1667. Sein Hang zur Melancholie zeigt sich in vielen Musikstücken (Plainte faite à Londres pour passer la Melacholie – Memento Mori Froberger – Meditation faite sur ma mort future … ) und bringt die Werke an bisher nicht dagewesene emotionale Grenzen.

Ich weiss nicht, ob er dem Orden der Tonkünstler oder den anderen Gelehrten mehr Ehre gebracht. Er war gelehrt in der Gottesgelahrtheit, in den Rechten, Beredsamkeit, Dichtkunst, Mathematik, fremden Sprachen und Musik.

Dieses Urteil über Johann Kuhnau (1660-1722) aus der Feder von Johann Christoph Adelung steigert auch bei seiner Musik die Erwartungen: Neben vielen Kantaten gehören seine Musicalische Vorstellung einiger biblischer Historien zu den bekanntesten Werken des Leipziger Thomaskantors und Amtsvorgängers Johann Sebastian Bachs. Jeder dieser Sonaten stellt er einen Text über die alttestamentlichen Begebnisse voraus. Aber auch während der Musik schildern Texteinwürfe die dramatische Handlung. So wird der von David gegen Goliath geschleuderte Stein musikalisch nachgezeichnet. Es ist also gar nicht zu kühn, zu behaupten, Kuhnaus biblische Sonaten seinen bereits Beispiele von Programmmusik.

Peter Pius Irl, vielen bekannt als sonore „Stimme” in vielen Sendungen, Hörspielen und features des BR, in der letzten Olchinger Barocknacht 2015 und als Schauspieler, nicht zuletzt in der genialen Münchner Familinensaga Die Grandauers und ihre Zeit  von Willy Purucker, die dann als TV-Serie Löwengrube in den Jahren 1987 bis 1991 zu sehen war, wird Kuhnaus Texte sprechen und auch das Geheimnis um die Überfahrt des Grafen von Thun über den Rhein klären helfen.
Michael Eberth „erzählt” Frobergrs und Kuhnaus Geschichten und Abenteuer am Cembalo

Programm:

Johann Jakob Froberger (1616-1667)
Toccata in C FbWV 109
Lamentation, faite sur la très douloreuse Mort de Sa Majesté Impériale, Ferdinand le Troisième, et se joüe lentement avec discretion FbWV 633

Toccata in a FbWV 112
Meditation faite sur ma mort future, la quelle se joüe lentement avec discretion a Paris 1 May Anno 1660 (Memento Mori Froberger) – Gigue – Courante – Sarabande FbWV 611

Johann Kuhnau (1660-1722)
Der todtkranke und wieder gesunde Hiskias
(Suonata quarte aus Musicalische Vorstellungen einiger Biblischer Historien/in 6. Sonaten…, Leipzig 1700)

Johann Jakob Froberger (1616-1667)
Allemande faite en passant le Rhin dans une barque en grand peril, la quelle se joue lentement â la discretion – Courante – Sarabande – Gigue FbWV 627

Johann Kuhnau (1660-1722)
Der Streit zwischen David und Goliath
(Suonata prima aus Musicalische Vorstellungen einiger Biblischer Historien/in 6. Sonaten …, Leipzig 1700)

Orgelkonzert

Montag, 15. August 2016, 20 Uhr ♦ Mittenwald, Pfarrkirche St. Peter und Paul ♦ Orgelkonzert mit Werken von Wilhelm Hieronymus Pachelbel, Louis Couperin, Nicolas de Grigny, Georg Friedrich Kauffmann, Johann Ernst Eberlin und Johann Sebastian Bach Michael Eberth an den Orgeln von Bernhardt H. Edskes, 1999 und 2012

 

 

♦ an der großen Orgel ♦ 

Georg Friedrich Kauffmann (1679-1735)
Fantasia in G (aus Staatsbibl. Berlin – Preußischer Kulturbesitz Mus.Bach. P 801)

sechs Choralbearbeitungen (aus Harmonische Seelenlust, Leipzig 1733)
– Nun freut euch liebe Christen gmein Vivace
– Nun freut euch liebe Christen gmein alio modo á 3.
– O Herre Gott, dein göttlich Wort à 3 Con affetto
– O Herre Gott, dein göttlich Wort Presto à 2 Clav.
– Valet will ich dir geben à 3 Allegro
– Valet will ich dir geben alio modo à 2 Clav. Presto 

Johann Ernst Eberlin (1702–1762)
Toccata Quinta et Fuga (aus IX toccate e fughe, Augsburg 1747)

♦ an der Truhenorgel ♦ 

Johann Sebastian Bach (1685-1750)
drei Choralbearbeitungen aus der Neumeistersammlung
– O Jesu, wie ist dein Gestalt, BWV 1094
– O Lamm Gottes unschuldig, BWV 1095
– Herzlich lieb hab ich dich, o Herr, BWV 1115

♦ an der großen Orgel ♦ 

Wilhelm Hieronymus Pachelbel (1686-1764)
Toccata in G
Fantasia super: Meine Seele laß es gehen

Louis Couperin (um 1626-1661)
Ave maris stella (Plein jeu)
Ave maris stella en trio
Duo
Fantaisie (Basse de Trompette)
Fantaisie (Grand jeu)

Nicolas de Grigny (1672–1703)
(aus Premier livre d’orgue, Paris 1699)
Tierce en taille

Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Präludium und Fuge in h-Moll, BWV 544

Goût français

Sonntag, 12. Juni, 11:11 Uhr ♦ KOM Olching, eleven-eleven MusikKultur e.V. ♦
Samstag, 18. Juni, 18 Uhr ♦ Felicitassal, Maximilianmuseum, Augsburg
Goût françaisVirtuose Cembalomusik an Europäischen Fürstenhöfen ♦ Werke von Henry Dumont, Louis Couperin, Johann Jakob Froberger, Christian Ritter, Georg Muffat, Jean Baptiste Forqueray, Pancrace Royer und Armand-Louis Couperin. Michael Eberth, Cembalo

Die französische Cembalomusik ist der Lautenmusik des 16. und 17. Jahrhunderts entsprungen in einer Zeit in der sich das Cembalo in der höfischen Gesellschaft immer mehr etablierte. Geschmackliches Raffinement, vereint mit eleganter Satzweise und effektvoller Klanglichkeit ließ einen reichen Schatz an vielfältiger Charakteristik entstehen. In knappen Piécen werden Musikerkollegen (Couperin, Forqueray, Leclair), ein Harlekin, der Pariser Finanzminister La Popliniére oder gar der „Götterchef“ Jupiter portraitiert.

Zum Goût français gehörte es auch, sich dann und wann italienisch zu geben. Stücke mit den Titeln Air italienne, Pavane italienne sowie musikalische „Portraits“ französischer Musiker, die den italienischen Stil pflegten sind keine Seltenheit. Regelrechte Glaubenskriege, ob denn die französische oder italienische Oper besser sei sind in der Querelle des Bouffons und im „Piccinnistenstreit“ nach der Mitte des 18. Jahrhunderts dokumentiert. Aber schon im 17. Jahrhundert nährte diese Kontroverse die Entwicklung der Musik. François Couperin zog sich auf intelligente Weise aus der Affaire: In seiner Sammlung Nouveaux Concerts von 1724 huldigte er dem großen Franzosen Jean Baptiste Lully (bezeichnender Weise ein gebürtiger Italiener!) mit der L’Apothéose de Lully, dem großen Italiener Arcangelo Corelli mit der L’Apothéose de Corelli.

Barockoper – Diana amante

Samstag, 30. April, 21 Uhr ♦ Grosser Saal, Hochschule für Musik und Theater München, Arcisstraße 12 ♦ Diana Amante ♦ Oper in drei Akten ♦ Musik: Giuseppe Antonio Bernabei (ca.1649 – 1732) ♦ Ballettmusik: Melchior d’Ardespin (1643 – 1717) ♦ Libretto: Luigi Orlandi ♦ UA am 26. Februar 1688 im Georgisaal der Münchner Residenz unter Mitwirkung der Kurfürstin Maria Antonia ♦ Andromahi Raptis (Diana), Lilli Jordan (Endimione), Stefan Steinemann (Orione), Ramona Laxy (Leucilla) ♦ Barockensemble des Instituts für Historische Aufführungspraxis; Leitung: Michael Eberth ♦ Diese Veranstaltung findet statt im Rahmen der Barocktage 2016

Der unter der Signatur Ms. 17704 in der Österreichischen Nationalbibliothek überlieferte Componimento drammatico in 3 Atti mit dem Titel Diana amante des 1649 in Rom geborenen Giuseppe Antonio Bernabei (gest. 1732 in München) wurde am 26. Februar 1688 im Georgi-Saal der Münchner Residenz uraufgeführt. Das Libretto (Poesia) wurde von Luigi (Ludovico) Orlandi, Consigliese e Segretario della S.A.E. di Baviera verfasst, die dazugehörige Ballet-Musik … ist von Melch. D’Ardespin componirt. Diese vorgesehene Tanzmusik von Melchior D’Ardespin, 1643 geboren, 1669 als Cornettist am kurfürstlichen Hof in München angestellt, 1683 zum churfürstlichen Kammerdiener, 1687 zum Leiter der Hofkapelle und zum churfürstlichen Rat erhoben, ist leider nicht erhalten und wird bei der Aufführung durch eine andere Tanzsuite D’Ardespins ersetzt. Giuseppe Antonio Bernabei, zunächst vermutlich als Organist an San Luigi dei Francesi in Rom tätig, folgte seinem Vater Ercole Bernabei nach München und wurde dort Geistlicher Rat, 1677 Vizekapellmeister, nach Ercoles Tod 1687 Kapellmeister. Einer seiner Schüler war Meinrad Spiess OSB aus Kloster Irsee, der als siebtes Mitglied der Mizlerschen Socität in Leipzig auch mit Johann Sebastian Bach Briefkontakt hielt.

Das Werk ist in vierstimmiger Patitur notiert. Nur an wenigen Stellen erläutern Hinweise die Instrumentierung (z.B. 1. Arie des Endimione: Flauto (1/2); 1 Arie der Diana: Piffero/Violino (1/2) – ViolaFagotto/Viola). Die Baßstimme trägt keine Generalbaßbezifferung. Nach dem ersten Akt und zweiten Akt steht jeweils ein Verweis auf D’Ardespinsche Balettmusiken: Segue il Ballo delle Cacciatrici Compagne die Diana bzw. Segue il Ballo di Cacciatori. Der dritte Akt schließt abrupt mit einer da Capo-Arie der Diana. Es ist zu vermuten, dass ein verlorenes Finale nochmals alle Protagonisten auf die Bühne gerufen hat. Christoph Teichner hat freundlicherweise unter behutsamer Verwendung von Text und thematischem Material der letzten Arie (eine Chaconne, zuerst von Endimione, dann von Diana gesungen) den Componimento drammatico mit einem Finale auch formal zu einem „happy end“ geführt. Dafür sei ihm herzlich gedankt.
Inhaltsangabe:

Atto primo Scena I
Orione versucht, mittlerweile verzweifelt, die abweisende Hirtin Leucilla für sich zu gewinnen. Aber sie interessiert sich überhaupt nicht für ihn, läßt ihn „abblitzen“ und gibt zu erkennen, dass Amor ihr Herz bereits für jemand anderen entflammt hat. Orione versucht Amors Pfeil, der in ihm steckt, zu zerbrechen und hofft auf Leucillas Reue.
Atto primo Scena II
Leucilla wendet sich von Orion ab und sieht schon in der Ferne Endimione, dem ihre Liebe gehört. Endimione, der schläfrige Hirte, ruht sich aus und genießt es, beim Klang der Hirtenglocken seine Schafe zu weiden. Er zeigt sich an Leucilla überhaupt nicht interessiert, sein Herz schlägt für Diana. Das weiß auch Leucilla und versucht ihn erfolglos davon abzubringen
Atto primo Scena III
Endimione will sich die Probleme, die Verliebtsein mit sich bringen, vom Leib halten („typisch Mann“  – würde die Frau von heute sagen …)
Atto primo Scena IV
Diana, Göttin der Jagd, des Mondes und Göttin der Keuschheit tritt auf. In glühender Sommerhitze, neben vertrockneten Blumen und erschöpften Tieren sieht sie im Schatten Endimione, will sich verlieben, ist sich unsicher. Aber wird sie un Dio senza fede, wird sie einem Gott ohne Treue und Glauben (Amor nämlich, der sie schmachten läßt!) nachgeben? In ihrer ersten Arie zweifelt die Keusche noch aber sie weiß, dass sie die Liebe für Endimione schon im Busen trägt (má l’autor d’ogni periglio dice poi che in seno havró). Endimione ist sofort Feuer und Flamme. Beide geben sich zu erkennen und tanzen als verliebtes Paar zusammen mit Dianas Jägerinnen.
Atto secondo Scena I
Orione hofft, dass das „wilde Tier“ in seinem Herzen eines Tages ebenso besiegt sein wird wie das um ihn liegende Wildbret. Leidend unterstellt er Amor in einer zynischen Arie Freude an seinem Schmerz.
Atto secondo Scena II
Leucilla, enttäuscht über ihre Machtlosigkeit Endimione gegenüber, versucht nun doch Orione für sich zu gewinnen, bittet ihn um Verzeihung. Orione ist verwirrt, will sich aber zunächst für Leucillas Grausamkeit rächen. Erst als Leucilla das Schicksal beschwört, ihrem Leben ein Ende zu machen schwenkt Orione um: Ihm bricht beinahe das Herz bei soviel Tränen („typisch …“). Sie Tanzen mit den Jägern der Diana.
Atto terzo Scena I
Diana und Endimione turteln verliebt und vergleichen die Liebe mit dem Fischfang. Allerdings warnt Diana Endimione vor eventueller Untreue. Aber Endimione entkräftet ihre Bedenken (La fé cor amante conservami costante mia Dea non mi schernir) und warnt Diana ihn zu hintergehen.
Atto terzo Scena II
Auch Orione und Leucilla besingen das Bild der Liebe als Fischerei (Vó pescando, et alla pesca rassomiglio l’amor mio pesce il cor nel suo desio laccio un crin beltá fú l’esca) und werden von Diana und Endimione entdeckt. Alle tun sich zusammen und danken Amor, der letztendlich doch alle Erinnerungen an erlittene Grausamkeiten aus den Herzen tilgen kann. Die Oper endet mit der Beschwörung der Zufriedenheit der Herzen mit einer Chaconne.